
Auf der Alm da gibts koa Kind
040609
Auch im Land von Alm und Öhi wird sozial geforscht.
Das Ergebnis einer schweizer Sozialstudie klingt im Original so: "Insbesondere wirtschaftlich benachteiligte Eltern zeigen ein wenig regulatives und stringentes Medienerziehungsverhalten und unterstützen ihre Kinder kaum in Form einer kommunikativen Begleitung ihres täglichen Medienumgangs." Auf Deutsch: arme Leute verbieten ihren Kindern nie das Computerspielen. Sie können sie in ihrem städtischen Problembezirk ja nicht rausschicken, draussen herrscht der Dschungel. Da schiesst der Salat und die Sau geht dem Nachbarn ins Feld. Wirtschaftliche Benachteiligung in der Stadt entsteht, wenn der Familienchef nicht die Haupt-Ausrede der wirtschaftlich Bevorteilten nutzen kann, die dem täglichen Familienhorror von morgens um 7Uhr bis Abends um 18Uhr entfliehen: "Tschau, Papa geht zur Arbeit!"
Das Problem dabei: wenn alle Menschen wirtschaftlich bevorteilt würden, geht es den Sozialforschern schlecht. Sie würden bloss noch Computerspiele spielen und diese in der Realität viel effizienter umsetzen, als es Kinder können, die der tägliche Langeweilestress in sinnlos expandierenden Familien seelisch und körperlich zermürbt.
Stark wie Sau
030609
Der DAX hat heute um 1,5 Prozentpunkte nachgegeben, sagt die Nachrichtensprecherin. Das heutige Absinken der Werte sei aber nach Auskunft von Börsianern eine gesunde Gewinnmitnahme. Schön, wenn es der Gewinnmitnahme gut geht. Aber was, wenn die Gewinnmitnahme anfängt, Schwäche zu zeigen? Ab wann sprechen die Fachleute von einer kranken Gewinnmitnahme? Wenn die Gewinne nicht mehr so richtig mitgenommen werden und die Werte einfach steigen? Ein Schreckensszenario: Ohne Sinn und Verstand steigen die Kurse, keine Sau nimmt noch einen Gewinn mit. Die Gewinnmitnahme fantasiert im Schüttelfrost aber keiner greift zu! Der Notarzt kommt mit Blaulicht, aber da steht schon der Gewinnsensenmann mit seiner Börsensense am Krankenbett und ruft: „Nix mitnemma!“ So heisst auch ein Hit von Ringsgwandl auf „Trulla Trulla!“ und dieser Song ist saustark.
Damit wären wir wieder bei der Landwirtschaft.
Stallgeräusche für einsame Städterinnen
030609
Als Bauer ist man nie allein. Die vertrauten Geräusche von Stall und Pferch binden einen fest ein in das dichte Leben in Haus und Hof. Was machen aber die Menschen in der Stadt? Es gibt CDs mit Partnergeräuschen. Die im Handel üblichen Geräusche-CDs für Singles liefern genau jene Geräusche, die sich alleinstehende Männer von einer Partnerin wünschen: Putzen, Kochen, Tisch abräumen. Deswegen sind solche Männer ja allein. Wie steht es mit einem Geräusche-Service für alleinstehende Frauen? Natürlich kriegen die genauso geputzt und gekocht, aber diese Geräusche gibt’s ja schon auf der CD für lästige Männer. Deswegen schlagen wir folgende Geräusche vor, zur Woman-CD-Produktion für engagierte Labels und Tonstudios:
- berstendes Holz und Fluchen (Toll, er baut ein Ikearegal auf!)
- sanfte Schnarchtöne (Wie schön - er ist zuhause, richtet aber keinen Schaden an!)
- Pinkelgeräusche, aber ganz leise (Der Neue kanns, er hat sich hingesetzt!)
Vielleicht als Kontrast einen Soundtrack, wie er nicht sein soll. Dann wird die Einsamkeit noch schöner:
- berstendes Holz und lautes Sorry-Rufen (er hat das von mir aufgebaute Ikearegal umgeworfen!)
- sanfte Schnarchtöne, die urplötzlich abbrechen (jetzt ist er gestorben, wie krieg ich ihn los?)
- laute Pinkelgeräusche. Klopfen an Tür, Männerstimme von drinnen: „Ja, ok, ich habs vergessen. Nächstesmal setz ich mich hin…!“ (dieser Sound-Track bleibt automatisch hängen, wiederholt sich und muss manuell weitergeschaltet werden)
- murrendes Kofferpacken, Motzen, Schimpfen, Türenzuschlagen, Treppentrampeln, Taxi fährt ab…
OK, das gibts auch im ZDF. Da braucht man keine extra CD.
Milchpreis steigt dank Abwrackprämie
310509
Die Milch wird bald wieder mehr wert, wegen der Abwrackprämie. Die Logik geht wie folgt:
Die Abwrackprämie ist die Bankrotterklärung einer Politik, die eine nachweislich abgewirtschaftete Industrie künstlich am Leben erhält. In einer Wertschöpfung, in welcher nur noch solche Industriezweige schwarze Zahlen schreiben, deren Ziel die Abschaffung von menschlicher Arbeitskraft durch Programme ist, werden Neugeborene nicht zu Generationenvertragspartnern, sondern zu Humankapital mit negativem Wert. Die zukünftige Beteiligung von Menschen an der Wertschöpfung wird mit jedem Tag unwahrscheinlicher. Trotzdem wird die Produktion von Nachwuchs finanziell honoriert, das ist die familiäre Abwrackprämie. Das Prinzip Familie wird durch Prämienzahlung weiter am Leben gehalten und ganz ungeniert zu einer Produktionsanstalt für Sozialstaatstorpedos abgewirtschaftet. Die ersten Anschaffungen kommen nach sieben Jahren zum Abwracken in die Schule und das Neugeborene sorgt für neues Glück. Man hat ein neues Kind, das sehen die Nachbarn und wollen auch so was. Mit der konzertierten Fertilitätsanstrengung von medizinischen und privaten Produktionsanlagen rollen bald wieder mehr Kinderwägen. Die Nachfrage nach Milch steigt und damit der Milchpreis und der Bauer kann aufatmen.
Landfunk
240509
Soeben melden die Nachrichten: "Kampf um Opel: Fiat bessert nach." Das klingt ja so, als hätten die Italiener bereits die ersten Opelmodelle produziert.
Storchennest bringt Glück
230509
Frisur hin oder her: Gesine Schwan hatte wenigstens eine.
Berliner Herrgottswinkel
220509
Die Mitglieder einer Atheisten-Initiative sind bei den Berliner Verkehrsbetrieben abgeblitzt. Sie fühlten sich benachteiligt durch die jahrelange Präsentation von Aufklebern mit Sprüchen wie "Jesus liebt dich!". Das Kleben von Gegensprüchen wie "Jesus gibts nicht!" wurde nicht erlaubt. Alternativen wie: "Jesus liebt dich nicht, aber ich würds vielleicht tun!" wurden erst gar nicht vorgeschlagen.
Sensible Menschen empfinden die eindringliche Mahnung zur Kenntnisnahme der Liebe Jesu als Nötigung zur Gegenliebe und wer will schon jemanden zurücklieben müssen, den es gar nicht gibt? Natürlich treten an Jesu Stelle, seit es die Kirche gibt, gern jene unansehnlichen Mitbrüder und -schwestern, die die implizierte Nötigung zur Gegenliebe an Jesu Stelle allzeit in Empfang zu nehmen bereit sind und die ja auch sonst niemanden abkriegen. Die werden von Atheisten dann an Jesu Stelle frustriert .
Allerdings sind bekennende Atheisten, die der Offenbarungsdrang zum Atheistentum ganz tief drinnen beseelt, genauso selig, wie die andern Frömmler und kriegen schon allein deshalb einen Platz im Paradies. Da ist die Existenz eines Gottes auch schon egal.
Vatertagstest im Kornfeld
210509
Die Vatertagsradler reihern entweder im Pulk in die Wiese, oder sie kotzen ganz allein vor sich hin. Hauptsache, es merkt keiner. Wenn der Bauer im Kornfeld einen versteckten Erbrecher sieht, weiss er Bescheid. Das ist ein verheimlichter Vatertagstest.
Orientierungshilfe für Knechte
120509
Der normale Bauer findet auch ohne GPS auf seinen Acker. Und genauso technikarm findet die Kuh sich auf der Weide zurecht. Bei Grossfarmern mag das anders sein, aber das sind eh keine Bauern, sondern Massenhektarmanager. Jetzt droht den Navigationsknechten neue Gefahr:
Die Orientierungshilfen fallen bald aus. Die Satelliten zeigen Alterungserscheinungen. Bindegewebe, Gedächtnislücken, Grauer Star, all das. Viele sind schon in Panik. Da hat man damals eine komplette heutige Abwrackprämie hingelegt, nur dass einem jemand sagt: "in 200 Metern links abbiegen" und jetzt soll das nicht mehr sein? Ruhig, Knechte! Wenigstens werden dann eure Ausreden besser. Ihr müsst nicht mehr mal eben Zigaretten holen gehen. Und in der Fremde kann man guten Gewissens ein neues Leben anfangen und allen sagen: es war der da oben.
Schweinesystem 6
100509
Tamiflu wirkt jetzt doch nicht so richtig, melden die Nachrichten. Moderner Krampf, der Altbauer hat das schon geahnt. Bald probieren sie es wieder mit dem guten alten Fliewatüt.
Frisches Blut und alte Gene
080509
Aufs Altenteil drang die Meldung durch, dass bei SPD-Leitfigur Müntefering jetzt eine vierzig Jahre jüngere Frau Stall und Hof bewirtschaftet. Den Altbauern stimmen solcherlei Nachrichten landwirtschaftlich nachdenklich. Was heisst denn "Frau"? Ab einer bestimmten Altersgrenze, z.B. der von Müntefering, muss die Frage lauten: Wo liegt der Unterschied zwischen Pflegerin und Gattin? Resp. zwischen Haushälterin und Ehgespons? Der Umstand, dass eine Magd im selben Bett liegt, wie der Bauer, erlaubt noch keine Rückschlüsse auf die Kriterien der Zusammenarbeit. Vielleicht hilft die stärkere Wärme eines jüngeren menschlichen Körpers besser bei der Regeneration eines älteren Leibes, als eine Wärmflasche. Auch eine eventuelle zukünftige Schwangerschaft ermöglicht der interessierten Öffentlichkeit keine exakten Rückschlüsse auf die hierarchischen Verhältnisse zwischen den mutmasslichen Partnern der hypothetisch vorausgesetzten gemeinsamen Wirtschaft. Nur weil die weibliche Prozessbeteiligte ein humangenetisch strukturiertes Gameten-Produkt im eigenen Bauch heranwachsen lässt, ist weder etwas ausgesagt über die Produktionsverhältnisse, über den Tarifvertrag und ob der Hersteller einen Betriebsrat zugelassen hat oder nicht.
Pferchsau und Leitbache
060509
Im Stall und auf der Weide herrscht strenges Matriarchat. Im Wald sogar noch deutlicher, da führt die älteste Bache die Rotte aus lauter Sauen, jeder pubertäre Keiler wird weggebissen. Einmal im Jahr darf der Keiler sich der Bache nähern - aber nur wegen seiner inneren Werte. Weil die heutigen DummjägerInnen immer öfter die Leitbache wegballern, kommt Kompetenzgerangel unter den Sauen auf, die Rotte zerfällt in kleine Gruppen, die wiederum dem Bauern ins Feld gehen. Störung des Matriarchats bedeutet: es werden Zäune gebaut und Wachtposten eingesetzt. Diesseits und jenseits des Zaunes gedeihen dann komplementäre Formen der Emanzipation. Laut Alice Schwarzer (73) waren die Lebensverhältnisse der Frauen in der DDR besser als im Westen. Man habe denen nicht erzählt, dass sie bloss "den Fummel anziehen müssen, und alle Männer rennen sabbernd hinterher. So äusserlich war es in der DDR nicht." (SZ 280409) Offenbar war es das angepeilte Lebensverhältnis der Schwarzerschen Emanzipation, dass Männer sabbernd Frauen hinterherrennen - aber nur wegen der inneren Werte.
Deckaktionen
060509
Wenn der Tierarzt mit dem Sperma auf den Hof kommt, wird die Sau gedeckt, das läuft da genau wie bei der Kuh, ob das Vieh will oder nicht. Da wird nicht lang gefackelt und da redet keiner drüber, das sind die normalen Abläufe, das kennt der Altbauer. Dass diese Selbstverständlichkeit der Deckaktionen auch unter den Menschen in der Stadt gang und gäbe ist, hätte er allerdings bislang nicht für möglich gehalten.
Der Berliner Innensenator Körting hat die Berliner Franzosenimitierungen des 1. Mai mit einer Gruppenvergewaltigung verglichen, wo es den Teilnehmern leichter falle, mitzumachen, wenn „die Frau erst einmal ausgezogen und vergewaltigt“ sei. Dazu kann der Altbauer nur sagen, dass das wieder so ein Statement ist, wo anscheinend alle mitreden können, ausser ihm.
Verstrahlte Milch
300409
Als nach Tschernobyl vor gut zwanzig Jahren die Milch verstrahlt war, wurden die Restbestände teurer. Der damalige bayrische Umweltminister Dick verzehrte im Fernsehen einen Löffel weisses Pulver und hat behauptet, das sei die Molke mit den hohen Becquerellwerten. Er war einer von den Guten mit einem freien Willen. Ob man verstrahlte Molke essen kann oder nicht: die Verstrahlung der Milch hat keiner frei gewollt. Im Gegenteil: der freie Wille der Kernkraftbefürworter hat darauf bestanden, dass die Strahlung fortbleibt. Trotzdem war sie in der Milch. Das Cäsium regnete auf die Landschaft, Kühe fressen Gras, aus freiem Willen. Damals lief ein Zittern durch die Grundwerte. Man hat noch entschlossener begonnen, die Welt zu digitalisieren. In der Digitalität funktioniert der freie Wille, da gibt es nur richtig und falsch, da gibt es nur ja oder nein, da ist die Welt in Ordnung. Wer Mist baut, stürzt ab. Die Computerwelt wird von Personen bevölkert, die heftig an Gut und Böse glauben. Und an den freien Willen. Ja wieso denn nicht? Um dir einen Computervirus einzufangen musst du erst irgendwo draufklicken! Das war dein freier Wille, dein Klickwille. Dein Wille zum Doppelklick. Du hast dich zum klicken entschieden und jetzt bist du infiziert, geschieht dir ganz recht. Das ist logisch, das ist verstehbar, da spielen alle seit zwanzig Jahren mit. Die Computerisierung macht die Menschen zu Katholiken im Geiste. Zu feige, sich tatsächlich zum Katholizismus zu bekennen, gucken die Angehörigen aller Konfessionen im Jahr einträchtig 3000 Stunden andächtig auf die flimmernde Monstranz eines Bildschirms, in der Hoffnung, zu den Guten gehören zu dürfen. Zu den Richtigklickern. Die hätten alle katholisch bleiben können. Dann wäre die Milch wieder wertvoll.
Schweinesystem 5
300409
Das Schweinevirus ist das Eine. Es wird durch Händewaschen geschwächt. Das Scheinevirus dagegen kommt, wenn eine Hand die andere wäscht. Erst wird das Geld krank, dann die Wirtschaft. Das heimliche gegenseitige Händewaschen ist ein Haupt-Kennzeichen des Schweinesystems. Den Überträgern, erkennbar am Brustton der Überzeugung, sollte man trotzdem dankbar sein. Immerhin haben sie den Menschen eine Welt geschenkt, in der alle jahrzehntelang glücklich sein konnten. So wusste jeder Randnutzer des Kapitalismus, wo er hingehört: in die Schuldenfalle oder daneben.
Schweinesystem 4
290409
Gegen das Schweinegrippevirus gibt es die behördliche Schutzempfehlung „Händewaschen“. Damit sei man auf der sicheren Seite. Ok, da kann man dran glauben. Beim Bund gab es in der Grundausbildung als behördliche Schutzempfehlung das Kommando "Atomblitz!", dabei musste sich jeder zu Boden werfen, die Augen bedecken und war auf der sicheren Seite. Kann man auch dran glauben. Wenn Händewaschen gegen ein Grippevirus hilft, hätte man sich die jährliche Grippeschutzimpfung sparen können. All die im Fieber vergeudeten Mannstunden fehlen heute der Wirtschaft, bloss weil niemand den Leuten gesagt hat, sie sollen sich die Hände waschen. Ist die Schweinegrippe eine Grippe, die von den Schweinen erfunden wurde oder eine Grippe, die Schweine leichter bekommen, weil sie sich nie die Hände waschen? Und nie richtig anziehen? Eine Schutzempfehlung der Mutterbehörde lautet weltweit: mach deinen Anorak zu, sonst erkältest du dich. Wann sagt das das einer den Schweinen?
Gras ist auch nur Milch
240409
Der Frühling kommt voran, die Wiesen strotzen vor üppigem Grün, das Chlorophyll breitet sich aus und der Bauer freut sich daran, wie die Photosynthese in Fahrt kommt. Das Gras auf der Wiese ist auch nur Milch.
Ein Computervirus ist auch nur das Promotionswerkzeug von künftigen Firmen. Später heissen die dann google oder yahoo.
Piraten sind auch nur die aussichtssreichsten Anwärter einer kommenden Wasserschutzpolizei.
Die Mafia ist auch nur eine staatähnliche Organisation, und nur deshalb noch nicht offiziell an der Regierung, weil die Bau- und Verkehrsminister der Mafia dann 90% der Häuser und Brücken in Italien abreissen und mit richtigem Beton wiederaufbauen lassen müssten.
Der Generationenvertrag ist auch nur Glaubenssache.
Wenn führende Säulen des Staates wie Zumwinkel ihr fehlendes Vertrauen in staatliche Produkte wie Rente und Geldwert derart unverblümt zum Ausdruck bringen, dass sie sich ihre Millionenrente nicht nur geschwind in bar auszahlen lassen, sondern die Auszahlungsklausel überhaupt in den Arbeitsvertrag einbauen, und zwar in einer Zeit, in der der Blüm noch behaupten konnte, die Rente sei sicher, da wird der Begriff unverblümt schon derartig staatstragend, dass sogar dem Altbauern nichts mehr einfällt.
Sprechende Tiere
230409
Kühe können muhen, Schweine können grunzen, Hühner können gackern, Menschen müssen reden. Der Kehlkopf kann nur brummen. Die Worte dazu macht das obere Ende des Verdauungskanals. Gut bezahlte Wissenschaftler waren bislang der Meinung, Affen seien der Sprache nicht mächtig, weil ihr Kehlkopf keine Wortbildungen zulässt. Könnten sie sprechen, wären sie wie wir und würden uns Worte schenken, die unsere Liebesbedürftigkeit bestätigen und befriedigen. Aber so ohne Sprachorgan bleibt die Korrespondenz zwischen Tier und Krone der Schöpfung ein Wunschtraum in den Kaffeepausen.
Bis jetzt. Nun wurde aus einer meterhohen Affendungschicht im Frankfurter Zoo ein Tonband ausgegraben, das lange vermisst war und aufgrund von Luftaufnahmen der Region gezielt geborgen werden konnte. Doch auch nach intensiven Reinigungsritualen konnten die Forscher nichts hören, bis eine Putzfrau versehentlich am Lautstärkeregler drehte. Ein heiseres Flüstern schwebte geisterhaft durch den Raum: „Hallo! Ich kann reden, aber das schnallen die Deppen nicht. Die suchen nach dem Kehlkopf, die Idioten. Die sind echt so blöd, wie sie aussehen. Kommen keinen Baum rauf, aber halten sich für die Krone der Schöpfung. Krone am Arsch! Dieser Blindtrieb der Evolution ist die Windel der Schöpfung…he, Finger weg, Susi! Das sind meine Südfrüchte! U, u, u!“
Die Putzfrau hatte kein Wort verstanden, trotz Abitur und Staatsexamen. Sie hatte nämlich gar nicht richtig hingehört, denn ihr ipod spielte selber was ab oder ihr Handy klingelte und der neue Ex sagte: „Wir müssen reden!“ Das Tonband spulte sich automatisch zurück und der Professor drückte am nächsten Morgen gleichzeitig mit der Playtaste die Löschtaste, als er seinen Kaffee umrührte.
Kuhfurz Umweltprämie
220409
Die Abwrackprämie heisst seit kurzem Umweltprämie. Die Herstellung eines Neuwagens verbraucht soviel Energie, davon kann man mit dem Altauto noch zehn Jahre lang fahren. Die Umweltprämie wirft uns im Kampf gegen den Klimawandel zehn Jahre nach vorn.
Ein Kuhfurz verbraucht soviel Klima, wie einmal ums Karree fahren zur Parkplatzsuche. Sobald es für das Abwracken von Kühen eine Prämie gibt, wird Milch selten und teuer. Das wäre wirklich eine Umweltprämie, da geben noch mehr Bauern ihren Hof auf und ziehen in die Stadt. Dort fahren sie nächtelang ums Karree und suchen einen Parkplatz. Wenn jemand zuviel Raum zuparkt, kann man ihm ab jetzt sagen, dass er parkt wie ein Kuhfurz.
Schweinesystem 3
210409
Das Schwein sei für den Menschen physiologisch noch kompatibler als der Affe, sagen Forscher. Transgene Schweine eignen sich moralisch besonders gut als Ersatzteillager für die retardierten Gametenprodukte arrivierter Fortpflanzungsentschlossener, sprich: für die genetisch designten Loser, die von Leuten in die Welt gesetzt werden, die sich den ganzen medizinischen Quatsch leisten können. Aber das können ganz liebe Menschen sein. Lieb sind sowieso alle – solange sie den Kragen voll haben. Man stelle sich eine Fertilitätsklinik in Afrika vor. Gibt’s da sowas? Solange es transgene Schweine gibt, dauert es noch ein bisschen länger, bis die Ethik soweit kippt, dass Bootsflüchtlinge oder die Konkursmasse aus Privatinsolvenz-Familien ohne Supernanny die Lieferantenfunktion übernehmen müssen.
Also eine Niere vom Schwein. Die kann man sich einbauen lassen, wenns die eigenen nicht mehr tun. Jedenfalls, wenn man katholisch ist. Was, wenn ein Bewusstseinsblitz einschlägt und der Schweinenierenträger will konvertieren? Zu einer Glaubensrichtung, die das Schwein verdammt? Muss der die Niere billig abstossen? Geht die von selber? Wandert die dann aus, als Wanderniere? Als haltloses Organ ohne funktionelle Bindung im Organstaat? Vielleicht kommen Reformer, die den Handel und Wandel von Ersatzorganen relativieren und einfach menschlicher machen. Da reichen intensive Spülungs- und Waschungsrituale. Die Inkorporation von Organen neben dem oralen Weg war den Religionsstiftern nicht vorstellbar, mit Sicherheit aber dem Wesen, für das die Religion betrieben wird. Deswegen kann man da guter Dinge sein. Massive Probleme bekommen höchstens die Heiden. Der grösste Ehekrach kann da am Mittagstisch bei den Kannibalen hochkochen: "Pfui Teufel! Das schmeckt ja wie vom Tier! Warst du wieder bei der Freibank?"
Trouble im Laufstall
200409
Schon wieder wurde bekannt, dass präpubertäre Teenager Eltern wurden. Auf solche Familien kommen ganz andere Konflikte zu. Da muss sich das Kind mit den eigenen Eltern um den Teddy streiten. Die Nachbarn wissen nie: heult jetzt das Kind oder der Vater?
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