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Phantomschutz beim Melken

080409

 

Als Bauer musst du so aufpassen. Wirklich Vorsichtige melken nur noch mit Handschuhen. Man lässt sonst juristisch verwertbare Teile von sich auf sittlich relevanten Körperstellen fremder Personen, also Tieren mit Namen. Da kann heute viel passieren. Entweder wird die Berührung als solche verfolgbar, oder die molekularen Rückstände werden geraubt und zweckentfremdet. Aufgrund eines verschleppten genetischen Fingerabdrucks einer Packerin für die Wattestäbchen der Polizeiarbeit haben Fahnder jahrelang quer durch Deutschland nach diesem Phantom gesucht und die wahren Mörder laufenlassen. Manche Verbrecher waren schon so verzweifelt, dass sie sich selber gestellt hatten. Es hat nichts genutzt. Sie wurden heimgeschickt, weil der genetische Fingerabdruck nicht gepasst hat. Daraufhin wurden diese Mörder schizophren und dürfen heute erst recht nicht ins Gefängnis. Für einen Bauern, dessen genetische Fingerabdrücke woanders auftauchen, als an den ihm unterstellten Milchlieferanten, legt heute keiner mehr die Hand ins Feuer. 

 

Einseitig gemistet

020409

Zugegeben, das war gestern einseitig ausgemistet. Grosstierliebhaber, denen "das Wohl der Tiere am Herzen liegt" (Zitat einer Stimme aus dem Publikum) als "Teddybärfreilasser" und "Streicheltierschützer" zu bezeichnen - das trifft ja nicht auf jeden zu, der behauptet, Tiere zu lieben. Was ist mit den "Walsterbehelfern"? Das sind Menschen, die haarlose Grosssäuger freundschaftlich berühren möchten und wenn sie nicht gerade Wale streicheln, in ihrer Gesamtheit Milliarden von Urlaubsflugkilometern in die Atmösphäre stanzen. Durch deren Klimaschadwirkung schmilzt das Polareis noch schneller und haarige Grosssäuger müssen ersaufen. Der kleine Leberegel Dicrocölium Lanceolatum oder auch das Felsenspringerchen aus dem Devon haben genauso ein Recht auf Tierliebe. Schon allein deshalb, weil sie keiner kennt. Und das Wohl der Zecken liegt auch kaum einem am Herzen. Wie ungerecht.

Milch von der Nummer

010409

 

Eine Kuh mit eigenem Namen gibt mehr Milch. Der Trend, Kühe und andere grosse Tiere mit Namen zu versehen, trägt bei zur Freude von Streicheltierschützern und Teddybärfreilassern, denn mit eigenem Namen wird ein Tier zur Person und Kuhstreichler werden zurückgeliebt. Allerdings von einer Person, die den ganzen Tag im Mist steht, sich nachts nicht zudecken kann und ganz schnell zum Metzger kommt, wenn sie einmal einen blöden Witz macht oder gestört dreinguckt.

Die andern fragen sich jetzt: woher weiss die Kuh, wie sie heisst? Es ist eine Frage der Konditionierung. Der Bauer gibt einfach immer dieselbe Lautfolge ab, wenn er sich einer bestimmten Kuh nähert. Irgendwann bezieht die Kuh das auf sich, tritt aus der Masse heraus und wird Individuum. Dadurch bekommt sie eine persönlichkeits-festigende Beziehung zu ihren Ausscheidungen. Je mehr sie aus sich rauslässt, desto länger fühlt sie ihr eigenes Ich. So arbeiten erfolgreiche Heiratsschwindler. Sie sprechen das Opfer bei seinem Kosenamen an, oft jahrelang. Die Tuss fühlt sich als begehrtes Wesen wahrgenommen. Dabei beginnt das Opfergeld zu rinnen, zu tröpfeln und zu fliessen. Je länger das Geld fliesst, umso hypnotischer schwillt das Ego des Melkopfers. Erst wenn der Eimer überläuft, fällt die Gemolkene aus ihrer Trance, ihr Blick auf die Schweinerei und das Ego klappt zusammen. Der Fall geht an die Staatsanwaltschaft, aber das dauert manchmal bis zu einigen Millionen. Euro, nicht Jahre.
Auch im wirklichen Leben gilt: Je besser die Stimmung im Stall, umso wertloser das Produkt: Wenn die Kühe einen Namen haben, liefern sie noch mehr Milch. Es gibt aber schon jetzt zu viel davon. Klar, dass jetzt die Bauern sich beklagen, weil die Milch zu billig wird. Die EU-Milchkommission erwägt Prämienzahlungen an Bauern, die ihre Kühe in Nummern umbenennen. Dann fühlen die Tiere sich als irgendeine Nummer, die Individualität verwischt, das Herdengefühl nimmt wieder zu und die Milch wird weniger. Ob das funktioniert? Oder eher noch mehr Milch bringt? Wenn der Bauer zu einer Nummer sagt: "Zweitausenddreiundneunzig!  Marsch, auf  
gehts! Heim in den Stall!" dann fühlt das Vieh sich als Nummer angesprochen und schon schiesst die Milch ein. Aber bei allen andern auch. Die hören eine Zahl und glauben, sie sind gemeint. Nummer ist Nummer und Kühe sind rechnerisch nicht so interessiert.

 

Milch vom Bauern

300309

 

Eine Kuh, die mit Namen angesprochen wird, gibt im Jahr bis zu 260 Liter mehr Milch, sagen Wissenschaftler. Immer wieder verklappen Bauern hektoliterweise Milch in Brüsseler Gullis. Dieser als Protestaktion getarnter Überschussabbau muss weit weg von Zuhause stattfinden. Wenn die Kuh das mitbekommen würde, dreht sie durch. Die wird depressiv. „Schau dir diese hinterfotzige Drecksau an. Typisch Bauer. Das ganze Jahr über redet er mich mit Namen an und dann schmeisst er die Milch weg! Der langt mich noch einmal an. Noch einmal. Den tret ich sowas von platt!“

 

 

Knigge für Bauern

120309

 

Die Menschen auf dem Land werden vor kulturellen Fettnäpfchen weniger gut geschützt, wie Stadtbewohner. Sie müssen sich mit Menschenverstand behelfen. Ein neuer Business-Knigge warnt den Städter vor Benimm-Fallen im Büro: "Wie kommt man aus der Situation wieder raus, wenn man für einen Anlass völlig falsch gekleidet ist?" Ja mein Gott, die Leistung ist doch, dass man es in den Klamotten überhaupt reingeschafft hat. Oder: "Wie reagiert man am besten, wenn man den Chef eines Tages in einer Dessous-Abteilung trifft?" Das weiss doch jeder. Da kommt es erstmal drauf an: welches Teil der Chef gerade an hat.
Angesagt ist endlich ein Benimmratgeber für den Bauern. Was trägt man im Stall, wie präsentiert man sich den Milchlieferanten? Kühe tragen nicht nur einen Namen, sie wollen auch damit angesprochen werden. Im Stall Mozart abzuspielen um die Milchproduktion zu steigern klingt nur scheinbar nach Irrsinn, die Frage ist eher: was sollen die Menschen mit mehr Milch, wenn jetzt schon jedes Jahr hunderttausend Tonnen Milchüberschuss vernichtet werden. Da müsste jener Bauer Geld bekommen, der die Milchproduktion bremst. Also Beatles spielt oder Amy Whinehouse. Da wird die Milch sauer. Tip: Mal Kühe züchten, die das Fressen nicht immer gleich zu Milch machen.  Dann könnte man sich auch als Bauer Haustiere halten, ohne die ganze Melkerei.

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